TransBIB – Boost. Industrial. Bioeconomy.

Entdecken statt durchsuchen: Bioökonomie-Daten entlang der Wertschöpfungskette

Wo finden Unternehmen Informationen zu verfügbaren Biomassen und Stoffströmen? Welche Datenbanken helfen bei Forschung und Entwicklung? Welche Möglichkeiten und Tools zur Ökobilanzierung neuer Produkte und Verfahren gibt es und welche Unternehmen sind überhaupt am Markt aktiv?

Die TransBIB-Sammlung relevanter Bioökonomiedatenbanken betrachtet solche Fragen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Im Interview zeigen wir, warum gerade diese Perspektive spannend ist – und was es in dem Tool „Bioökonomiedatenbanken“ zu entdecken gibt.

Frage: „Warum braucht die Bioökonomie überhaupt noch eine weitere Datensammlung?“

TransBIB: Eigentlich geht es gerade nicht darum, noch eine weitere isolierte Datenbank aufzubauen. Das Problem ist vielmehr, dass bereits sehr viele wertvolle Informationen existieren – aber an ganz unterschiedlichen Orten.

Wer sich mit einer bioökonomischen Idee beschäftigt, recherchiert möglicherweise heute in einer Forschungsdatenbank, morgen nach verfügbaren Biomassen und anschließend auf einer ganz anderen Plattform nach Technologien oder potenziellen Marktpartnern.

Das TransBIB Tool „Bioökonomiedatenbanken“ setzt genau dort an: Sie schafft einen strukturierten Zugang zu bestehenden Datenquellen und macht transparent, welche Informationen wo zu finden sind. Zu den aufgenommenen Quellen gehören unter anderem Datenbanken zu Rohstoffen und Biomasseverfügbarkeiten, Technologien und Prozessen, Produkten und Märkten sowie Tools zur Nachhaltigkeitsbewertung. Jede Quelle wird beschrieben und direkt mit der ursprünglichen Datenbank verlinkt.

Frage: „Das Besondere ist die Orientierung entlang der Wertschöpfungskette. Warum wurde dieser Ansatz gewählt?

TransBIB: Weil eine bioökonomische Innovation selten nur aus einer Technologie besteht. Damit aus einer Idee ein Produkt wird, müssen ganz unterschiedliche Fragen beantwortet werden.

Woher kommt der Rohstoff? Welche Forschung gibt es bereits? Wie lässt sich das Verfahren technisch umsetzen und skalieren? Und gibt es später Unternehmen, Produkte oder Märkte, an die sich die eigene Entwicklung anschließen kann?

Genau deshalb betrachten wir die Daten nicht losgelöst voneinander, sondern entlang einer möglichen Bioökonomie-Wertschöpfungskette. Auch auf europäischer Ebene wird Bioökonomie zunehmend als Zusammenspiel von Biomassebereitstellung, Forschung und Innovation, industrieller Verarbeitung, Skalierung und Marktentwicklung verstanden. Die aktuelle europäische Bioökonomiestrategie legt einen stärkeren Fokus auf industrielle Umsetzung, Scale-up und die Entwicklung von Märkten für biobasierte Produkte.

Frage: „Beginnen wir am Anfang: Was finde ich im Bereich Entwicklung?“

TransBIB: Hier geht es vor allem um Forschung, Entwicklung und technologische Orientierung. Wer eine neue biobasierte Lösung entwickeln möchte, muss zunächst wissen: Welche Ansätze gibt es bereits? Wo wird zu ähnlichen Fragestellungen geforscht? Welche Projekte oder Technologien könnten für das eigene Vorhaben relevant sein?

Das Tool verweist deshalb auf Datenquellen, die helfen können, Forschungsaktivitäten, Projekte und technologische Entwicklungen zu erschließen. Das kann sowohl für Unternehmen interessant sein, die erstmals in ein bioökonomisches Thema einsteigen, als auch für Forschungseinrichtungen, die nach Anschlussmöglichkeiten für ihre eigenen Entwicklungen oder auch neue Projekte suchen. Außerdem besteht die Möglichkeit, die TransBiB Bioökonomiedatenbank für die Dissemination eigner und neuer Projekte zu nutzen. Wir sind offen dafür, einschlägige Projekte in die Datenbank mit aufzunehmen, so können wir auch Aktualität gewährleisten.

Frage: „Der nächste Schritt ist die Beschaffung. Warum ist gerade Biomasse ein so wichtiges Datenthema?“

TransBIB: Weil die Frage nach dem Rohstoff für viele bioökonomische Geschäftsmodelle fundamental ist. Eine Technologie kann technisch hervorragend funktionieren – wenn jedoch nicht ausreichend geeignete Biomasse verfügbar ist, die Qualität schwankt oder Transportwege unwirtschaftlich werden, kann daraus schnell ein Problem für die Umsetzung entstehen.

Im Bereich Beschaffung haben wir deshalb Datenbanken zusammengetragen, die Informationen beispielsweise zu Biomasse, Rohstoffverfügbarkeit und Materialströmen bereitstellen.

Damit lässt sich eine zentrale Frage deutlich früher stellen: Ist der Rohstoff, auf dem meine Idee basiert, überhaupt in der benötigten Form und Menge verfügbar? Hier können wir mit unserem Tool zumindest etwas Abhilfe schaffen – jedoch bleibt die Rohstoffverfügbarkeit sicher weiterhin zentrale Herausforderung für die Bioökonomie.

Frage: „Und dann kommt die Produktion – vermutlich einer der spannendsten Bereiche für Unternehmen?

TransBIB: Absolut. Denn irgendwann muss aus einem Laboransatz ein reproduzierbarer industrieller Prozess werden. Für diesen Bereich enthält das Tool Datenquellen zu Prozessen und Technologien. Gleichzeitig kommt hier ein weiteres TransBIB-Angebot ins Spiel: die Datenbank zu Skalierungsinfrastrukturen.

Sie zeigt bundesweit Test-, Pilot- und Demonstrationsanlagen, die für die Weiterentwicklung biobasierter Verfahren genutzt werden können. Aktuell sind dort Informationen von rund 60 Einrichtungen hinterlegt – einschließlich Kapazitäten, Anwendungsmöglichkeiten, Zugangsbedingungen und direkter Ansprechpersonen. Eine geografische Übersicht zeigt zusätzlich, wo entsprechende Angebote in Deutschland vorhanden sind.

Gerade dieser Schritt ist entscheidend. Die Europäische Kommission beschreibt beim Übergang von Forschung zu Demonstration und Industrialisierung weiterhin erhebliche Finanzierung- und Infrastrukturhürden – häufig als „Valleys of Death“ zwischen Technologieentwicklung und Markteinführung bezeichnet.

Frage: „Eine Technologie kann funktionieren – aber am Ende muss jemand das Produkt kaufen. Wie bildet die Sammlung Marketing und Absatz ab?“

TransBIB: Im Bereich Marketing und Absatz richtet sich der Blick stärker auf bestehende Unternehmen, Produkte und Märkte. Solche Daten können helfen, ein Gefühl dafür zu bekommen, welche biobasierten Lösungen bereits angeboten werden, welche Akteure in bestimmten Bereichen aktiv sind oder wo sich mögliche Anknüpfungspunkte für die eigene Entwicklung ergeben.

Das ist besonders interessant, wenn eine Technologie schon weiter fortgeschritten ist. Dann verändert sich die Fragestellung: Nicht mehr nur „Kann ich das herstellen?“, sondern zunehmend auch: Wo könnte mein Produkt in einer bestehenden Wertschöpfungskette seinen Platz finden?

Frage: „Muss ich also schon genau wissen, welche Datenbank ich suche?“

TransBIB: Nein – und genau das soll vermieden werden. Die Übersicht soll ausdrücklich auch zum Stöbern und Entdecken einladen. Vielleicht sucht jemand zunächst nach Biomasse und stößt dabei auf eine Datenquelle zu passenden Technologien. Oder ein Unternehmen beschäftigt sich mit einem Produktionsprozess und entdeckt anschließend Informationen zu Produkten und Marktakteuren.

Die Idee dahinter ist: Wertschöpfung ganzheitlich denken. Das Tool soll nicht nur einzelne Antworten liefern, sondern dabei helfen, Verbindungen zwischen verschiedenen Stufen eines bioökonomischen Vorhabens zu erkennen.

Frage: „Und wenn ich nicht weiß, wo ich anfangen soll?“

TransBIB: Dann kann man die Frage inzwischen auch einfach stellen. Der TransBIB-Chatbot greift auf die Inhalte und Datenquellen des One-Stop-Shops zu. Nutzer können beispielsweise in natürlicher Sprache nach Daten, Skalierungsanlagen, Fachleuten oder weiteren Informationen fragen, ohne sich zunächst durch unterschiedliche Bereiche klicken zu müssen.

Der Chatbot kann dabei Informationen zusammenführen und passende Inhalte aus dem One-Stop-Shop miteinander verknüpfen. Damit wird aus einer klassischen Datensammlung zunehmend ein Wissensraum, der auch über konkrete Fragestellungen erschlossen werden kann. Im Übrigen wird das Thema KI im Projektkontext auch weiter zum Einsatz kommen: die Bioökonomiedatenbank soll zukünftig mit KI Tools ausgestattet werden, um durchgängige Aktualität der Daten zu gewährleisten.