TransBIB – Boost. Industrial. Bioeconomy.

Wenn Nebenströme zum Ausgangspunkt neuer Wertschöpfung werden

Rinde und Splintholz der Robinie fallen bei der Verarbeitung als eigene Materialströme an, werden bislang aber häufig nur energetisch genutzt oder gar nicht weiterverwertet. Das Forschungsprojekt „Robi“ untersucht, welche Inhaltsstoffe sich daraus gewinnen lassen und welche industriellen Anwendungen daraus künftig entstehen könnten.

Der im Holz-Zentralblatt erschienene Fachartikel „Robinie – weit mehr als Kernholz“ beschreibt das Projekt ausführlicher. Für TransBIB ist daran vor allem die Frage interessant, wie aus solchen Forschungsergebnissen neue Anwendungen, Kooperationen und Wertschöpfungsketten entstehen können.

Wenn die spätere Anwendung noch offen ist

Bei Forschungsprojekten steht nicht immer schon fest, welches konkrete Produkt am Ende entstehen wird. Im Projekt „Robi“ werden verschiedene Aufschlussverfahren untersucht, um Inhaltsstoffe aus Rinde und Splintholz zugänglich zu machen und deren Potenzial für spätere Anwendungen besser bewerten zu können.

Für die weitere Entwicklung kann es sinnvoll sein, zusätzliche Unternehmen oder Forschungspartner einzubeziehen. Je nach Nutzungsidee entstehen neue Anforderungen an Materialeigenschaften, Aufbereitung, Verarbeitung oder Produktentwicklung.
Die TransBIB Matching-Plattform bietet dafür eine Möglichkeit, konkrete Bedarfe sichtbar zu machen. Gesucht oder angeboten werden können unter anderem Technologien, Kompetenzen, Materialien, Stoffströme oder Projektpartnerschaften. So können beispielsweise Unternehmen angesprochen werden, die bestimmte biogene Inhaltsstoffe prüfen, weiterverarbeiten oder in eigenen Anwendungen testen möchten.

Zusätzliche Expertise für neue Anwendungen

Die stoffliche Nutzung von Nebenströmen betrifft häufig mehrere Fachgebiete gleichzeitig. Im Projekt „Robi“ treffen Holzverarbeitung, Rohstoffaufbereitung, chemische Verfahren und mögliche industrielle Anwendungen aufeinander. Mit neuen Nutzungsideen können weitere Kompetenzen notwendig werden – etwa aus Analytik, Materialentwicklung, Verfahrenstechnik oder Produktentwicklung.

Der TransBIB-Kompetenzpool macht entsprechendes Fachwissen über das bestehende Projektumfeld hinaus auffindbar.

Projektteams können dort gezielt nach Fachleuten suchen, wenn für einen weiteren Entwicklungsschritt zusätzliches Know-how benötigt wird. Umgekehrt können Expertinnen und Experten ihre Kompetenzen sichtbar machen und damit für neue Kooperationen ansprechbar werden.

Für frühe Forschungsvorhaben ist das besonders relevant. Ob ein Ansatz weiterverfolgt werden kann, hängt oft nicht nur von der technischen Machbarkeit ab, sondern auch davon, ob die passende Expertise für die nächste Fragestellung verfügbar ist.

Regionale Stärke mit überregionalen Kompetenzen verbinden

„Robi“ ist im Innovationsbündnis Land-Innovation-Lausitz entstanden. Der Ansatz des Bündnisses besteht darin, Unternehmen und Forschungseinrichtungen früh zusammenzubringen und Forschungsfragen möglichst nah an späteren Anwendungen zu entwickeln.

Für die weitere Entwicklung solcher Ansätze kann es sinnvoll sein, auch Kompetenzen und Unternehmen außerhalb der eigenen Region einzubeziehen.

TransBIB verbindet über seine Kompetenzhubs regionale Bioökonomie-Netzwerke und Innovationsstrukturen aus ganz Deutschland. Forschungsergebnisse, Kooperationsbedarfe und Erfahrungen aus einzelnen Regionen können dadurch in weitere Netzwerke getragen werden.

Für Projekte wie „Robi“ eröffnet das zusätzliche Möglichkeiten: Ein Materialstrom, für den vor Ort noch keine passende Anwendung existiert, kann in einer anderen Region auf eine geeignete Technologie, ein Unternehmen oder eine Forschungsgruppe treffen. Auch Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten können schneller zugänglich werden.

Solche Verbindungen helfen dabei, regionale Forschungsaktivitäten nicht isoliert zu betrachten, sondern Wissen und Kompetenzen über Regionsgrenzen hinweg weiterzuentwickeln.

Vom Forschungsergebnis zur nächsten Kooperation

Welche konkreten Produkte aus den untersuchten Stoffströmen der Robinie entstehen werden, ist derzeit noch offen. Das Projekt schafft zunächst die wissenschaftlichen Grundlagen und prüft, welche Inhaltsstoffe und Verfahren für eine weitere Nutzung interessant sein können.

Für den weiteren Transfer können anschließend unterschiedliche Fragen relevant werden: Wer könnte die gewonnenen Inhaltsstoffe einsetzen? Welche zusätzliche Expertise wird für eine Anwendung benötigt? Gibt es Unternehmen oder Forschungsgruppen mit ähnlichen Fragestellungen? Und in welcher Region bestehen bereits passende Kompetenzen?

TransBIB stellt dafür verschiedene Zugänge bereit: Die Matching-Plattform macht konkrete Kooperationsbedarfe sichtbar, der Kompetenzpool erleichtert die Suche nach fachlichem Know-how und die Kompetenzhubs verbinden regionale Bioökonomie-Strukturen bundesweit miteinander.

So können Forschungsergebnisse über das ursprüngliche Projektumfeld hinaus sichtbar werden und neue Ausgangspunkte für Kooperationen und biobasierte Wertschöpfung entstehen.