Nachhaltig bauen in der Praxis: Was Rosa und Paula vormachen
Für den folgenden Beitrag traf Marie Teichmann (TransBIB-Projektmitarbeiterin an der Leibnitz Universität Hannover) sich mit Sven Rückert (Riedel Bau AG) und Prof. Martin Naumann (ASAP Institut für nachhaltige und klimagerechte Architektur GmbH) zum Gespräch über Ziele, Erfahrungen und Lehren aus dem Wohnbauprojekt Paul & Rosa.
Die Baubranche zählt zu den größten Verursachern von CO₂-Emissionen. Klimafreundliches Bauen erfordert deshalb ganzheitliche Ansätze, die nachhaltige Baustoffe, kreislauffähige Bauweisen und intelligente Planungsprozesse von Beginn an zusammendenken. Genau hier setzt das Wohnbauprojekt Paul & Rosa der Riedel Bau AG in Schweinfurt an: Es versteht sich nicht nur als Bauvorhaben, sondern als Reallabor für die Bauwende. Ziel ist es, ressourcenschonendes, klimaschonendes und zugleich sozial lebenswertes Wohnen praktisch zu erproben und aus den gewonnenen Daten konkrete Erkenntnisse für zukünftige Bauweisen abzuleiten.
Ausgangspunkt für das Projekt war der Anspruch, ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit zu verbinden. Gerade in einer Branche mit hohem Betonbedarf sieht sich Riedel Bau in besonderer Pflicht, Emissionen zu reduzieren und neue Lösungen zu entwickeln, ohne dabei die Realitäten eines mittelständischen Unternehmens aus den Augen zu verlieren. Nachhaltiges Bauen sollte daher nicht als theoretisches Ideal gedacht werden, sondern als praktikables Modell, das sowohl ökologischen Anforderungen als auch unternehmerischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht wird. Vor diesem Hintergrund entstand der bewusste Entschluss, etablierte Denkweisen zu hinterfragen und mit Paul & Rosa neue Wege zu erproben.
Prof. Naumann berichtet, dass Paul & Rosa seinen Ursprung in einem universitären Studierendenprojekt hatte. Die Studierenden erhielten eine offene Aufgabenstellung und arbeiteten in engem Dialog mit Riedel Bau an ersten Konzepten. Auch wenn diese Entwürfe zunächst nicht direkt umsetzbar waren, lieferten sie wertvolle Ideen und Denkanstöße. Daraus entstand schließlich die Entscheidung, das Projekt weiterzuentwickeln und in die Praxis zu überführen.
In enger Zusammenarbeit zwischen der Riedel Bau AG und Wissenschaft wurden die beiden Gebäude Paul und Rosa mit insgesamt sechs Mietwohnungen nach Prinzipien des nachhaltigen Bauens geplant und schließlich auch gebaut. Im Laufe des Projekts seien den Mitwirkenden dabei einige Herausforderungen begegnet.
Prof. Martin Naumann: „Die große Herausforderung für uns war es, dass das ganze Themenfeld der Nachhaltigkeit so komplex ist und so vielfältig, dass man sich selbst permanent in Widersprüchen befindet.“
Zudem habe es im Austausch mit Fachplanenden und Ausführenden immer wieder Aufklärungsbedarf gegeben, um die Hintergründe und Ziele der nachhaltigen Bauweise verständlich zu machen, so Naumann.
Auch aus Sicht von Riedel Bau war es eine große Herausforderung, Theorie und Praxis zusammenzuführen. Rückert schildert, dass im Unternehmensalltag Prozesse häufig auf Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Regeltreue ausgerichtet seien. Innovative, teils außerhalb bestehender Regulatorik entwickelte Bauweisen treffen hier auf gewohnte Abläufe und Denkmuster.
Dipl.-Ing. (FH) Sven Rückert: „Kompromisse zu finden war sicher die größte Herausforderung. Ich sage aber: wenn es beiden Parteien ein bisschen weh tut, dann haben wir den besten Kompromiss und letztlich auch das beste Ergebnis.“
Trotz aller Herausforderungen stehen nun zwei bezugsfertige Gebäude. An andere Unternehmen, die noch neu auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit sind, richtet Rückert folgenden Rat:
Dipl.-Ing. (FH) Sven Rückert: „Man muss Mut haben, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Man braucht eine Geschäftsführung, die das auch möchte und den Mut hat, sich dafür einzusetzen. Unsere Firmeninhaberin Stefanie Riedel hatte uns das Grundstück für Paul & Rosa eigens für dieses Forschungsprojekt zur Verfügung gestellt.“
Prof. Naumann ergänzt diesen Gedanken mit einer langfristigen Perspektive:
Prof. Martin Naumann: „Meine Wunschvorstellung wäre eigentlich, dass die Nachhaltigkeit irgendwann gar nicht mehr zum Thema wird, sondern selbstverständlich ist.“
Seine Vision sei eine Baupraxis, in der Nachhaltigkeit keine besondere Erwähnung mehr benötige – ähnlich wie Brandschutz. Gebäude würden heute nicht als „besonders brandsicher“ bezeichnet, weil diese Eigenschaften als Standard vorausgesetzt werden. Genauso sollte künftig auch der Schutz von Klima und Ressourcen als grundlegende Voraussetzung des Bauens verstanden werden. Angesichts der Tragweite der Klimakrise sei die Investition in Nachhaltigkeit sogar von noch größerer Bedeutung als viele andere bauliche Sicherheitsaspekte.
Unser Fazit:
Das Projekt Paul & Rosa zeigt, wie Nachhaltige Transformation gelingen kann! Haben Sie eigene Ideen für nachhaltige Prozesse und Produkte? Möchten Sie in Ihrem Unternehmen den nächsten Schritt gehen und Nachhaltigkeit ganzheitlich verankern? Sprechen Sie uns an und entdecken Sie mit uns die Biologisierungs- und Nachhaltigkeitspotenziale Ihres Unternehmens – von der Analyse bis zur konkreten Umsetzung.
Ihr TransBIB-Absprechpartner für die nachhaltige Transformation:
Marie Teichmann, M. Sc.
Biotechnologie/Life Science
Leibnitz Universität Hannover
marie.teichmann@ite.uni-hannover.de